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Klaus Doldingers Passport

- Marl, Jazzfestival, 31.01.2004 -

 


Montreux ist in Marl

Zum 1. Jazzfestival hatten die Unternehmung team technik, Firma für Veranstaltungstechnik in Recklinghausen, zusammen mit dem Kulturamt der Stadt Marl vom 30. Januar bis zum 1. Februar 2004 eingeladen. Dabei haben es die Veranstalter geschafft, einige der interessantesten deutschen Besetzungen, die aus NRW stammen oder durch die Herkunft von Bandmitgliedern einen klaren Bezug zur Region haben, an einem Wochenende zusammenzubringen.

Hauptact des Samstagabends bildete der Auftritt von Klaus Doldingers Band Passport in der aktuellen Besetzung. Passport spielte viele Titel vom aktuellen Album "Back to Brazil" und heizte das Publikum mit lateinamerikanischen Rhythmen systematisch an, die nicht zuletzt durch das fantastische Zusammenspiel des Schlagzeugers Christian Lettner mit den beiden Percussionisten Ernst Stroer und Biboul Darouiche an Drive und Power gewannen, die mit ihren zahlreichen Percussion-Instrumenten faszinierten. Nicht minder für Groove sorgten die knackigen Basslines von Bassgitarrist Patrick Scales, der mit zwei imposanten Slap-Soli für tosende Begeisterung im Publikum sorgte. Gitarrist Peter O'Mara indes überraschte Band und Publikum mit einem äußerst rockigen und fetzigen Solo bei dem Titel "Will-O, the Wisp", das von einem früheren Album Doldingers stammt.

Heiße Rhythmen im kalten Januar

Über den Altmeister des Jazz muss man fast nichts sagen - Doldinger ist trotz seiner 67 Jahre ein Bündel an Energie. Ob Tenor- oder Sopransaxophon - Doldinger meisterte seine Soli mit Bravour, bot eine geniale Bühnenperformance, spielt sich aber nicht in den Vordergrund, sondern überließ auch schon mal seiner Band das Feld.
Keyboarder Roberto di Gioia überzeugt nicht nur mit zahlreichen herausragenden Soli an den Tasten von Synthesizer, Orgel und Keyboard und E-Piano, sondern brachte auch wunderschönes Samples mit ein, wie sie zum Beispiel im Titel Ataraxia, in dieser Neubearbeitung auch auf dem Album "Remix", zu hören waren. Das Zusammenklingen von elektronischen Elementen und erdigen Grooves macht einen besonderen Reiz bei Doldingers Auftritten aus und zeigte - wie bereits eine Woche zuvor beim Dortmunder Jazzfestival - nun auch in Marl, dass guter Jazz lebendig und fesselnd ist.
Auch die Filmmusik kam nicht zu kurz - Ob der Titel "Samba Cinema", dessen Thema in der ersten Zusammenarbeit mit Wolfgang Petersen entstand, und bei dem Ernst Stroer ein begnadetes Percussion-Solo darbot -, oder die Titelmelodie zu dem Film aus den 80er-Jahren "Das Boot" von Lothar Buchheim, zu dessen 86. Geburtstag Doldinger mit einer heimischen Blaskapelle auftreten wird, der Passport-Chef präsentierte sich bei seinem Auftritt so vielseitig wie auch in seinem Gesamtwerk.
Höhepunkt bot am späten Abend ein Zusammentreffen Doldingers mit dem Saxophonisten Ernst Dittke, mit dem zusammen er einen Blues darbot und dabei unter anderem auf der Flöte brillierte. Doldinger und Dittke hatten sich 1956 auf einem Jazzfest in Düsseldorf kennen gelernt und boten nun, nach fast 45 Jahren, ein exzellentes Zusammenspiel. Lediglich ein Titel, auf den mancher im Publikum gehofft hatte - die Erkennungsmelodie zur Fernsehserie Tatort -, blieb aus. Aber Tatort kommt ja auch sonntags.


Monia Geitz für DZW Die Zahnarzt Woche 8/04
 

 

 

 

 

Passport-Gast Ernst Dittke und Bassist Patrick Scales