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Mittwoch
Jan192011

Passport Konzert Köln Stadtgarten 2000

Botschafter für die Musik
Klaus Doldingers »Passport« gastiert am 16. November im Konzertsaal des Stadtgartens.


Mit dem Namen Klaus Doldinger sind nicht nur verschiedene musikalische Genres, sondern seit seinem ersten öffentlichen Auftritt 1953 auch zahlreiche Preise, Schallplatten- und CD-Aufnahmen sowie zahllose Konzerte auf allen Kontinenten verbunden. Nach seiner ersten Band, der Dixieland-Formation »Feetwarmers«, gründet er unter seinem Spitznamen Oscar, »weil es vier Kläuse in der Klasse gab und ich für den Pianisten Oscar Peterson schwärmte«, ein pianoloses Modern Jazz Trio. »Oscar's Trio« erhält fünf Preise des Düsseldorfer Jazzfestivals. Auf das »Klaus Doldinger Quartett« folgt 1971 die Gründung von »Passport«. Der Name ist Programm, das international und unbegrenzt gültig ist. 21 Plattenaufnahmen lang fusionieren Jazz und Rock zu einer unnachahmlichen Erfolgsgeschichte. »Passport« wird Talentschmiede für junge Musiker (wie für die Schlagzeuger Udo Lindenberg und Curt Cress oder den Bassisten Wolfgang Schmid) und ist in den US-Charts vertreten. Doldinger erhält den deutschen Schallplattenpreis und das Bundesverdienstkreuz. In der Laudatio wird er als deutscher Botschafter für Musik aus Deutschland gefeiert. »Passport« wird am Donnerstag ab 20.30 Uhr in Köln einen Einblick in seine Musikalität geben. Und dass Doldinger nach eigenem Bekunden auch Spaß daran hat, Titelthemen wie »Tatort« oder »Liebling Kreuzberg« live zu spielen, hat man auf der neuesten CD spüren können. Spaß steht bei ihm auch heute noch im Vordergrund. Das zeigen Konzerte wie in Remagen, wo Doldinger vier Stunden spielte – bis er einfach nicht mehr konnte.
15.11.00, 20 Minuten Köln, Ralf Meutgens


Tatort Kölner Stadtgarten oder Küsschen für co.co?

Mit dem Namen Klaus Doldinger sind nicht nur verschiedene musikalische Genres, sondern seit seinem ersten öffentlichen Auftritt 1953 auch zahlreiche Preise, Schallplatten- und CD-Aufnahmen sowie zahllose Konzerte auf allen Kontinenten verbunden. 1936 in Berlin geboren, absolviert Doldinger als Schüler die Ausbildung am Robert-Schumann-Konservatorium in Düsseldorf (Klavier, Klarinette, Harmonielehre und Musiktheorie) und nach dem Abitur das Studium zum Musikwissenschaftler und Tonmeister. Mit seiner ersten Band, der Dixieland-Formation "Feetwarmers" erringt er 1955 und 56, noch vor dem Abitur, den ersten Preis beim Amateur-Jazzfestival in Brüssel und wird zur "besten deutschen Oldtime-Band" ausgezeichnet. Doch Doldinger spielt auch gerne modern. Unter seinem Spitznamen Oscar, "weil es vier Kläuse in der Klasse gab und ich für den Pianisten Oscar Peterson schwärmte" gründet er ein pianoloses Modern Jazz Trio. "Oscar´s Trio" erhält fünf Preise des Düsseldorfer Jazzfestivals, Doldingers erste USA-Tournee wird ein Erfolg, er wird Ehrenbürger von New Orleans und heiratet (1960). Danach gründet er das "Klaus Doldinger Quartett" und erlangt ersten Kontakt mit der Musik für Musicals, Theateraufführungen, Zeichentrick- und Werbefilme (u.a. 1967 der Trailer zur Einführung des Farbfernsehens, 1969 die erste Filmmusik für "Negresco" von Klaus Lemke). Unter dem Pseudonym "Paul Nero" nimmt er elf Langspielplatten auf, weil er auch gerne Rock spielt, aber diesen Stil nicht unter dem Namen Doldinger veröffentlichen will, der mittlerweile ein Gütesiegel für den Jazz ist. Die Gründung von PASSPORT ist 1971 für den musikalischen Weltenbummler Doldinger zwischen Stilen und Kontinenten eigentlich eine logische Konsequenz. Der Name ist Programm, das international und unbegrenzt gültig ist. 21 Plattenaufnahmen lang fusionieren Jazz und Rock zu einer unnachahmlichen Erfolgsgeschichte. PASSPORT wird Talentschmiede für junge Musiker (wie für die Schlagzeuger Udo Lindenberg und Curt Cress oder den Bassisten Wolfgang Schmid), ist in den US-Charts vertreten, Doldinger erhält den deutschen Schallplattenpreis und das Bundesverdienstkreuz. In der Laudatio wird er als deutscher Botschafter für Musik aus Deutschland gefeiert. Als Komponist für Film, Fernsehen und Hörfunk gesellen sich vergleichbare Erfolge hinzu. Die Musik zu Wolfgang Petersens "Boot" erhält Gold und Platin und wird damit zur erfolgreichsten deutschen Filmmusik. Selten hat man eine derartige dramaturgische Einheit von Handlung und Musik erlebt. Zahlreiche Fernseh-Serien beginnen mit seiner Musik und vom Bayerischen Rundfunk wird er als Komponist für die komplette musikalische Gestaltung eines Hörfunkprogramm ausgewählt. Die Auszeichnung der deutschen Phono-Akademie (für sein Lebenswerk), der Ehrenpreis des Bayerischen Filmpreises, der Echopreis für die beste Jazzproduktion und der Musikpreis der Stadt Frankfurt sind weitere Auszeichnungen, werden aber nicht die letzten sein. In der Formation Klaus Doldinger: Flöte, Sopran- und Tenorsaxophon, Peter O´Mara: E-Gitarre, Roberto Di Gioia: Keyboard, Patrick Scales: E Bass, Ernst Ströer: Percussion, Biboul Darouiche: Percussion, Christian Lettner: Schlagzeug gastierte PASSPORT im Konzertsaal des Kölner Stadtgartens. Letzterer spielte für den bisherigen Drummer Wolfgang Haffner, der wegen beruflicher Überlastung momentan nicht mehr zur Verfügung steht. Für Doldinger war es "unglaublich schwer, einen neuen Schlagzeuger auszuwählen". Er hätte "nie gedacht, dass es so langwierig sein kann, unter verschiedenen sehr guten Schlagzeugern einen auszuwählen, denn es sind nur Nuancen, die den Ausschlag geben". Doldinger vergleicht einen Schlagzeuger mit einem Boxer, der unermüdlich dranbleiben können muss. Seine Mühe hatte sich gelohnt, auch wenn er Lettner mit den Worten vorstellte, "er ist zwar Österreicher, aber er spielt dennoch sehr gut Schlagzeug". Davon konnten sich die Zuhörer überzeugen und im Zusammenspiel mit den beiden Percussionisten entwickelte sich eine beeindruckende Präzision und melodiöse Eigendynamik. Dynamisch müssen bei Doldinger alle Musiker sein, denn die Stücke des Abends waren vorher nicht festgelegt. Es gab lediglich eine lange Liste von Titeln, von denen jeder einmal hätte gespielt werden können. "So wird das Interesse an allen Stücken am Leben gehalten" war Doldingers pädagogische Erklärung. Dies wurde auch gleich getestet, in dem in Köln der lateinamerikanischen "Standard" Guachi Guaru aus Doldingers "Quartett-Zeit" der 60er gespielt wurde, den man zum ersten Mal in der Passport-Besetzung spielte und den es nicht auf Platte gibt. Überflüssig zu erwähnen, dass der Test mit Bravour bestanden wurde. Doldingers Ansagen waren ausgesprochen humorvoll. So verzieh ihm auch das Kölner Publikum, als er erwähnte, dass er in Düsseldorf gewohnt habe. Aber eigentlich sei man ja eine "Bayerische Band", denn sein Wohnort sei ja nun in der Nähe Münchens. Auch in die alte Düsseldorfer "Feetwarmers-Zeit" ging Doldinger gedanklich in einer seiner Ansagen zurück. "Es war eine schöne Zeit, aber heute ist auch nicht schlecht". Bei den ersten Konzerten der "Feetwarmers" gab es Freibier als Gage, jetzt ist es für ihn "angenehm, wenn die Kasse stimmt", konnte man im Vorfeld nachlesen. Und dass die Freude an der Musik den Kommerz überwiegt, machen nicht nur Konzerte wie in Remagen deutlich, als Doldinger in der Formation "Old Friends" (mit den deutschen Urgesteinen des Jazz Mangelsdorff, Dauner, Schoof und Weber) vier Stunden spielte bis man erschöpft aufhörte. Nicht, weil man nicht mehr wollte, sondern, weil man einfach nicht mehr konnte. Mit der Tatort-Titelmusik spielte man dann eine Komposition, die wohl auch lange noch nicht aufhört und von der keiner wissen konnte, wie erfolgreich sie einmal werden sollte. "Ich war damals ein unbekannter Komponist und es waren nur einige Folgen geplant" erinnerte sich Doldinger an seinen Auftrag, den er mehr zufällig vor 30 Jahren bekam. Auch wenn die ersten Original-Tatort-Takte vom Band kamen, sobald Passport sie weiterspielte, hatte man den Eindruck, dieser Titel sei eigentlich für ein Passport-Live-Konzert geschrieben worden. Eine zweite Fernsehserie lebte im Konzert auf, als man PASSPORTS Version von "Liebling Kreuzberg" zu Gehör brachte. Langsamer und länger, mit einem wunderschönen Intro und dem Thema, die auf dem Sopran-Saxophon gespielt wurden. "Ob das eine Reisesaxophon sei?", habe ein Freund Doldinger nach diesem Instrument gefragt, das bei schlechtem Licht wie eine Miniatur-Ausgabe des Tenors aussieht. Mit dem Tenorsaxophon hat Doldinger das geschafft, was nur wenige Musiker schaffen: Man erkennt ihn mit geschlossenen Augen selbst bei den kürzesten Lautäußerungen. So wie zu Beginn des Titelstücks "Blind Date" der neuen CD "Doldinger back in New York". Doch zurück zu Passport und Köln: Der Titel "co.co-Motion" war eine Hommage an Doldingers Concert-Coordinatoren von co.co.concerts, deren Inhaberin Karin Schreiner auch anwesend war. Von Albert Mangelsdorff kennt man ja die singende und sprechende Posaune, aber bei Doldinger wurde man Zeuge, wie ein Saxophon Küsschen verteilt. Die hatten sich die Zuhörer für das Ende des Konzerts aufgehoben, denn das sollte wiederum eine spektakuläre Premiere sein. Die beiden Zugaben, die Passport am Donnerstag im Stadtgarten spielte, waren nicht nur der Abschluss eines hervorragenden Konzerts einer 30 Jahre jungen Band, sondern vielleicht der Beginn einer neuen Karriere. Denn als besonderen Gast stellte Klaus Doldinger den Trompeter Terrence Ngassa aus Kamerun vor. Der 25-Jährige war erst seit einem Monat in Köln. Er studiert als Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) Trompete an der Kölner Musikhochschule. Sein Lehrer, Manfred Schoof, als Trompeter einer der profiliertesten deutschen Jazzer und Dozent der Musikhochschule, hatte ihn empfohlen. Schoof spielt mit Doldinger gemeinsam in der Formation "Old Friends" und war als Zuhörer, genau wie Ingfried Hoffman, der Pianist aus Doldingers ehemaligen Quartett, anwesend. Doldinger sah Ngassa in Köln zum ersten Mal und hatte auch bis dato keine Aufnahme von ihm gehört. Sein Vertrauen sollte sich lohnen, denn Ngassa fügte sich nahtlos in die Musik von Passport ein. Die erste Zugabe "50 years later" war dann ein Beispiel dafür, wie zeitlos in der Tat eine derart groovende Musik ist. Im "Bläser-Battle" mit Doldinger, in dem sich die beiden Musiker gegenseitig salvenartige Soli zuspielten, hatte man den Eindruck, beide würden seit Jahren gemeinsam auf der Bühne stehen. Das Publikum quittierte es auf seine Weise und erklatschte eine weitere Zugabe der besonderen kölschen Art. Die Zuhören überstanden den Abend ohne Hörsturz, obwohl Doldinger glaubte, nach dem ersten Stück einige Zuhörer in der vorderen Reihe ausgemacht zu haben, denen es zu laut war. Man habe zwar"einen sorgfältigen Soundcheck gemacht", doch die Akustik würde sich bei vollbesetzter Halle eben verändern. Doldingers Angst war unbegründet, denn Sound und Lautstärke waren selbst bei den bislang unerhörten Trompetentönen ausgezeichnet. Das Publikum ist für Doldinger ein wichtiger Teil des Motors, der auch PASSPORT bis heute am Laufen hält. In Köln waren es diesmal über drei Stunden. Auch Dank des ausgezeichneten Publikums.
CD-Tipps
Film ab: Doldinger
Old friends - The German Jazz Masters
Passport Live
Doldinger back in New York, Blind Date
Nicht verpassen! Nächstes (einziges) Konzert in NRW: 18. Januar 2001 in Hagen, Karten über das Kulturamt der Stadt.
Weiteres ist derzeit nicht geplant, weil Klaus Doldinger momentan viel produziert und Filmmusik schreibt.
Ralf Meutgens (Report - Das Schwimmjournal 6/2000 ISSN 1439-9997 Offizielles Organ des "Schwimmverband Rhein-Wupper e.V.")